SCHUFA-Selbstabfrage

2010-09-29 / Sebastian Morr / CC BY-NC-SA 4.0 / german, privacy

Dadurch, dass es mir bei einer Online-Bestellung untersagt wurde, per Rechnung zu bezahlen, wurde ich auf die SCHUFA aufmerksam. Das ist ein Unternehmen, das auf den Personendaten von drei Vierteln der Deutschen sitzt und für jeden davon einschätzt, wie wahrscheinlich es ist, dass er seine Rechnung nicht bezahlt.

Im Sinne von § 34 Abs. 1 BDSG kann aber auch jeder Einzelne abfragen, was die so über einen wissen. Die SCHUFA bietet - vorbildlich! - sogar ein eigenes Formular dafür an. Das füllt man aus, schickt es ab, und wartet drei Wochen.

Vor ein paar Tagen kam die Antwort. Und, was wissen die nun über mich? Naja, Name, Geburtsdatum und -ort sowie Adresse. Eine “SCHUFA-Kundennummer” habe ich auch.

Auf der zweiten Seite wird es interessant: Da ist der Zeitpunkt der oben erwähnten Bonitätsprüfung aufgeführt. Außerdem hat meine Bank ihnen “mitgeteilt, dass ein Girokonto unter der Kontonummer X eröffnet wurde”. Stand wahrscheinlich in den AGB, dass die das dürfen.

Auf der dritten Seite sind die “Score-Werte” aufgeführt. Die anhand “moderner mathematisch-statistischer Verfahren” ermittelte Wahrscheinlichkeit, dass ich eine Rechnung bezahle, beträgt 95,51%. Klingt hoch, ist aber für manche Unternehmen vielleicht nicht akzeptabel. Der Wert ist noch weiter aufgeschlüsselt: Aus meinen “Bisherigen Zahlungsstörungen” ergibt sich ein “deutlich unterdurschnittliches Risiko”, meine “Allgemeinen Daten” stellen hingegen ein “deutlich überdurchschnittliches Risiko” dar. Hä?

Fazit: Wesentlich schlauer ist man hinterher auch nicht. Ich bin immerhin überrascht, dass so wenig über mich gespeichert ist. Die Berechnung des Score-Wertes ist aber nicht transparent genug.

Dieses Datenauskunfts-Experiment werde ich auf jeden Fall fortsetzen, und mal schauen, wie auskunftsfreudig die verschiedenen Unternehmen so sind (sie sind immerhin verpflichtet mir Auskunft zu erteilen!)


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