28C3: Tag 3

2011-12-30 / Sebastian Morr / CC BY-NC-SA 4.0 / german, travel, report

Der durchschnittliche Congressteilnehmer, den ich hier mal Christian nennen möchte, ist männlich (hier ist ein gefühlter Frauenanteil von 5 Prozent) und um die 30. Pferdeschwänze sieht man viele, sie bilden aber nicht die Mehrheit, Christian hat kurze braune Haare. Eine Brille hat er auch nicht. Christian ist eher schlacksig. Er bewegt sich schnell und bleibt gerne abrupt in den Fluren stehen. In seinem Rucksack führt er eine Club-Mate und ein mit Stickern verziertes Thinkpad-Notebook mit sich, auf dem Linux mit einem Tiling-Window-Manager läuft. Christian trägt einen schwarzen Pullover und eine Bluejeans. Er bleibt tendenziell eher in seiner vertrauten Gruppe, ist auf Ansprache aber sehr freundlich und hilfsbereit.
Klone Christian einige hundert Mal mit einigen Mutationen, und, tadaa! Du hast die Congressteilnehmer!

Okay, heute habe ich gehört: Den CCC-Jahresrückblick, eine Vorstellung der Plattform Frag den Staat, die versucht, Politik ein bisschen transparenter zu machen, Überlegungen über ein modernes Programm zum Musikerzeugen im Browser, ein Video über eine Show, die jährlich in Spanien stattfindet und Leute auf den Wert freiter Kultur aufmerksam macht, Beispiele der Darstellung von Hackern in Filmen (Schön war die Szene, in der der “Hacker” bei dramatischer Musikuntermalung einen “Virus” auf eine Diskette kopierte, die dann in Zeitlupe sehr stylisch über mehrere Hände gereicht wurde und schließlich im Zielrechner landete. Musik geht plötzlich aus. Hacker: Das war ja einfach). Dann wurden drei neue Schwachstellen in Browsern erläutert, und schließlich gab es noch einen weiteren sehr beliebten Jahresrückblick (mit Frank und Fefe, zwei weiteren CCC-Berühmtheiten). Ich find den eher so meh.

Nachmittags fand eine kleine, recht spontan wirkende Demonstration gegen die Vorratsdatenspeicherung statt (“Teuer, sinnlos, einfach dumm! Vorratsdatenspeicherung!”), ich habe die Anzahl der Teilnehmer auf etwa 150 geschätzt. Es ging einmal um den Fernsehturm, inklusive kleiner Kundgebung. Sozusagen ein Freiheit statt Ängst-chen. Viele Zaungäste, aber ich bezweifle, dass die mit Schildern wie “No VDS” (was nicht nur eine Abkürzung, sondern zwei SPRACHEN enthält!) viel anfangen konnten. Naja, sowas ist ja auch für die Teilnehmer, Gemeinschaftsgefühl stärken und so.

Durch reinen Zufall lief ich in eine Gruppe von CAcert-Assurern. Ähm, also. Es gibt ja verschlüsselte Webseiten. Und um sicherzustellen, dass die Seite von der richtigen Person verschlüsselt wurde (und nicht jemand mittendrin mithorcht), werden die Schlüssel mit Zertifikaten “vertrauenswürdiger Stellen” versehen. Wenn man der Zertifizierungsstelle vertraut, die wiederum dem Anbieter der Seite vertraut, kriegt man dieses tolle grüne Symbol neben der URL-Leiste, die aussagt: Alles jut. Normalerweise muss man sich ein solches Zertifikat kaufen. CAcert ist nun ein nichtkommerzielles Projekt, das die ganze Vertrauensgeschichte durch eine Community, ein Punktesystem und ein “Netz des Vertrauens” regelt. Ist jetzt alles zu viel ums zu erklären, auf jeden Fall will man sichergehen, dass eine Mailadresse tatsächlich einer Person gehört, die tatsächlich existiert. Und genau das prüfen die Assurer (“Zusicherer”?), die gucken sich nämlich offizielle Ausweisdokumente an und vergeben dann entsprechend “Vertrauenspunkte”. Wenn alles gut läuft, habe ich jetzt hundert davon und könnte selbst anfangen, als Assurer tätig zu werden. Nette, ruhige Leute waren das. Der erfahrenste bezeichnete sich selbst als Spießer, während er sämtliche Sicherheitsmerkmale meines Persos überprüfte. :-)

Noch ein kleiner Blumenstrauß der Sachen, die ich so weggetwittert habe:
Ich war heute im Bällebad! Total gemütlich und warm! Etwa 2 mal 2 Meter, bietet Platz für vielleicht fünf Leute.
Ihr kennt die langen Schlangen vor Frauentoiletten anderswo? Das dreht sich hier exakt um.
Und an einigen Urinalen hängt ein “Defekt”-Schild. 28C3 ist, wenn du nicht weißt, ob du denen glauben sollst.


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